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The Rake’s Progress

The Rake’s Progress ist eine Oper des russischen Komponisten Igor Strawinski. Die Oper wurde am 11. September 1951 am Teatro La Fenice in Venedig uraufgeführt. Das Libretto stammt von dem Dichter W. H. Auden und Chester Kallman.

Szene in der Taverne, Kupferstich von William Hogarth

Szene in der Taverne, Kupferstich von William Hogarth

Als inhaltliche Vorlage diente ein Reihe aus acht Gemälden und Kupferstichen des englischen Malers William Hogarth, deren Thema die Karriere eines Wüstlings oder Lebemanns (The Rake’s Progress) war. Strawinski hatte sie bei einer Ausstellung am 2. Mai 1947 in Chicago gesehen.

Darauf komponierte Strawinski seine Oper zwischen März 1948 und Mai 1951. Die Musik dieser Oper unterscheidet sich stark von seinen bekannten Ballettmusiken aus den 1910er Jahren. Unüberhörbar ist eine Nähe zu Claudio Monteverdis Oper Orfeo und den Nummernopern Wolfgang Amadeus Mozarts.

Erst seit den 1980er Jahren hat die Oper einen festen Platz im Repertoire der Opernhäuser gefunden.

Personen
Vater Trulove (Bass)
Ann Trulove, seine Tochter (Sopran)
Tom Rakewell (Tenor)
Nick Shadow (Bariton)
Mutter Goose (Alt)
Baba, genannt Türkenbab (Mezzosopran)
Sellem, ein Auktionator (Tenor)
Ein Wärter im Irrenhaus (Bass)

Ort
England

Zeit
18. Jahrhundert

Spieldauer ohne Pausen
ca. 165 Minuten

Handlung
Erster Akt
Tom ist mit Ann verlobt. Er lebt ein kleinbürgerliches Leben auf dem Land. Sein Schwiegervater Trulove möchte ihm eine Stelle verschaffen, um die Zukunft seiner Tochter abzusichern. Allerdings lehnt Tom das Angebot ab, denn er träumt vielmehr von einem Leben in Reichtum und Freiheit. Just in dem Augenblick, als er sich wünscht reicht zu sein, erscheint Nick Shadow und bringt aus Londen die Nachricht von einer großen Erbschaft. Der teuflische Nick bietet Tom seine Begleitung und Unterstützung an und betont, erst nach Jahresfrist seinen Lohn zu fordern.

Tom zieht es nach London. Er verabschiedet sich zärtlich von seiner geliebten Ann und verspricht, sie zu sich zu holen, sobald in London alles geregelt ist. Dort angekommen, sind schnell alle guten Vorsätze verflogen und Nick bringt Tom in üble Gesellschaft, wo er seine Barschaft im Freudenhaus bei Mutter Goose verschleudert. Nur manchmal erinnert sich Tom an seine Ann, die zu Hause auf ihn wartet.

Nachdem sie lange Zeit vergeblich auf eine Nachricht von Tom gewartet hat, macht sich Ann auf den Weg nach London, um ihn zu suchen.

Zweiter Akt
In der Zwischenzeit hat Nick seinen Meister Tom allerdings überredet, eine ungeliebte Frau zu heiraten. Ihr Name ist Baba. Liebe macht abhängig, so Nicks Argument. Die Heirat mit Baba sei daher eine vortreffliche Möglichkeit, seine Freiheit und Unabhängigkeit zu erlangen.

Als Ann ihren Tom in London endlich gefunden hat, muss sie erkennen, dass dieser inzwischen mit einer schrecklichen Frau verheiratet ist. Entsetzt und zutiefst verletzt macht sie sich auf den Heimweg zu ihrem Vater.

Baba erkennt ihrerseits, dass Tom und Ann noch etwas verbindet, worauf sie wütend wird. Tom wird seiner verhassten Frau immer mehr überdrüssig und bringt sie schließlich zum Schweigen. Er sehnt sich einfach nur nach Ruhe und versinkt im Schlaf. Nick lässt Tom von einer Maschine träumen, die Stein in Brot verwandelt. Als Tom erwacht und seinem Begleiter von seinem Traum berichtet, gaukelt Nick ihm vor, über eine solche Maschine zu verfügen. Tom fällt darauf herein und steckt den Rest seines Vermögens in dieses Unternehmen.

Dritter Akt
Inzwischen hat sich Nicks Brotmaschine jedoch als Schwindel erwiesen und Tom hat sein restliches Vermögen verloren. Sein letztes Hab und Gut wird durch Sellem versteigert. Wie sich herausstellt, hat Tom seine Ehefrau Baba doch nicht ganz zum Schweigen gebracht. Sie macht sich nun lautstark bemerkbar. Erneut taucht Ann auf. Sie konnte Tom nicht vergessen. Baba erkennt ihre eigene Lage und zieht sich zurück. Zuvor wendet sie sich noch an Ann mit der Bitte, Tom vor seinem Schatten Nick zu retten.

Auf einem Friedhof teffen Nick und Tom wieder zusammen, denn das Jahr ist rum. Nick fordert seinen Lohn – Toms Seele. Kurz bevor es Mitternacht schlägt, bietet Nick Tom ein Spiel an, um Aufschub zu erlangen. Dafür muss Tom drei Karten richtig erraten, die Nick aus einem Kartenspiel zieht. Abermals schwebt Anns liebender Geist über ihm. Es gelingt Tom tatsächlich, die drei Karten richtig zu erraten. Wütend zieht sich Nick zurück, kann aber Tom dennoch mit Wahnsinn schlagen.

Tom landet im Irrenhaus und lebt dort in dem Wahn, Adonis zu sein. Sehnsüchtig wartet er auf seine Venus. Noch einmal hat sich Ann mit ihrem Vater auf den Weg zu Tom gemacht. Als sie im Irrenhaus eintrifft, erkennt Tom sie nicht. Aber sie spielt für ihn die Venus und spricht von ihrer ewigen Liebe. Als Tom müde wird, singt sie ihm ein Schlaflied, das auch die übrigen Insassen des Irrenhauses besänftigt. Schließlich bitte Trulove seine Tochter, ihn nach Hause zu begleiten, denn für Tom könne sie hier nichts mehr tun. Ann lässt Tom in seinem Venustraum zurück in dem Glauben, er würde darin Frieden finden. Aber auch dieses kleine Glück wird von Nick vereitelt. Er entreist Tom seine Venus. Als Tom erwacht, sieht er sich beraubt und bricht entseelt zusammen.

Epilog
Lehrhaft wird verkündet: Für faule Hände, Herzen und Köpfe findet der Teufel eine Beschäftigung.

Faustmotiv
Unübersehbar ist in dieser Oper das Faustmotiv. Schon die Namensgebung legt dies nahe. Tom Rakewell ist auf der Suche nach Glück, Reichtum und Freiheit – Nick Shadow sein teuflischer Schatten, der ihn verführt. Jedoch setzt sich Tom nicht in inneren Monologen mit seiner Situation auseinander, wie etwa der Titelheld in Ferruccio Busonis Oper Doktor Faust. Vielmehr wird Tom bis zuletzt von den Ereignissen hinfortgerissen und bleibt überwiegend passiv. Holzschnittartig werden einzelne Stationen seines Werdegangs beleuchtet, ohne dass es zwischen ihnen eine Entwicklung gibt. Man könnte Tom als Alltagsfaust bezeichnen, der ein bisschen auch in jedem von uns steckt. Nur während des Kartenspiels am Ende der Oper, schimmert bei ihm die Erkenntnis. Toms Errettung durch die echte Liebe Ann Truloves schlägt fehl.

Inszenierungen der Oper (Auswahl)
1951 – Uraufführung am Teatro La Fenice in Venedig
1961 – Ingmar Bergmann an der Königlichen Oper Stockholm
2009 – Martin Kušej am Opernhaus Zürich
2014 – Damiano Michieletto an der Oper Leipzig (Rezension)

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